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gesprengte ketten

 
Die meisten von uns haben es nicht auf die Siegerstraße geschafft, tragen keine schimmernden Klunker an den Händen, kutschieren nicht mit Edelkarossen herum, werden nicht von hoffnungslos hübschen Blondinen umschwärmt und werden bei den meisten angesagten Partys schon an der Tür abgewimmelt.
Ist es nicht die ultimative Demütigung angesichts von so viel Schönheit und Reichtum, mit die wir nicht gesegnet sind, sich am liebsten in ein Loch zu verbuddeln und daraus nie wieder rauskommen zu wollen?
Erst unlängst hab ich einen Freund von mir getroffen, der es zu echtem Geld und zu echtem Ruhm geschafft hat und lauter Erfolge verbuchen konnte. Er war mir sogar vor, dass ich nicht aus meinem Leben machen würde, weil ich nur in Mittelmäßigkeit versinke und "alten Schachteln die Wirbelsäule gerade biegen" würde und eine ach so tolle Karriere hinlegen könnte, wohlgemerkt in seiner beschissenen Firma, die ihre Mitarbeiter ausbeutet, dass Marx die Haare zu Berge gestanden wären.
Ich hab mich aber auf dieses Spielchen nicht eingelassen, sondern ihm vorgeschwärmt wie toll es sei, sich abends nicht den Kopf über fallende Aktienkurse, lästige cash flows, mickrige Renditen und abartige Deckungsbeiträge zerbrechen zu müssen, sondern viel lieber von "alten Schachteln" träume, die wieder gehen können, und dabei auch noch gar nicht den Gedanken in meinem Kopf wälzen müssen, dass mich jemand mag, weil ich so toll und erfolgreich rein bin oder gar noch, ob ich meine Seele nicht an den Teufel verkauft habe, weil ich wieder ein paar so genannte Mitarbeiter entlasten musste, weil der maximale Gewinn unter meinen Erwartungen blieb und deshalb mein Yachtplatz für den nächsten Sommer eventuell gefährdet sein könnte.
Außerdem muss ich mein Ego nicht mit kostspieligen Sinnlosigkeiten wie sündhaftteuren Armbanduhren und Designerklamotten in Preisklassen, von denen eine zehnköpfige Einwandererfamilie locker ein halbes Jahr gut leben könnte, auf aufmöbeln.
Es ist einfach toll das zu haben, was viele nur vom Wörterbuch her kennen … nämlich Mitgefühl, Ehre, Respekt, Demut und Einfachheit.

Allein sein und nicht allein sein ...
Ich bin doch hier.
Doch wo bleibst du?
Warum kann ich dich erahnen, aber nicht sehen?
Warum kann ich dich sehen, aber nicht hören?
Warum kann ich dich hören, aber nicht fühlen?
Warum kann ich dich fühlen, aber nicht spüren, greifen, greifbar machen?
Komm näher.
Bloß einen Schritt.
Nur einen einzigen und du wirst vor mir stehen, von Auge zu Auge. Dann nehme ich deine Hand und laufe mit dir fort. Ich were deinen Atem auf meiner Haut spüren, sanft und warm und gleichmäßig, und dir die Kleider vom Leib reißen. Ich werde noch so viel mehr als nur deinen Körper spüren, deine ganze Seele will ich haben. Ich werde weinen, versunken in deinen Armen und dich anschreien, um all deine Gleichgültigkeit zu rächen und ich werde lachen und dir einen Kuss schenken. Ich werde stöhnen, wenn du mich dazu bringst, alles in einer Nacht, vergänglich wie der Sternenfall und doch anhaltend, ewig.
Ich werde....

...nichts tun. Nur Schweigen. Weinen, ja, vielleicht irgendwann einmal wieder.
Und du wirst gewissentlich darauf achten, keinen Schritt zu weit zu gehen, der Sicherheitsabstand muss eingehalten werden, wie bei einem Gebäude, das droht bald in sich einzustürzen. Der Unterschied ist bloß, dass Bauwerke sich nicht wieder von allein aufrichten können.

Wenn etwas schief läuft, dann kann dieses Schieflaufen eine Chance sein, die Geburt von etwas Neuem zu erfahren, auch wenn es uns
zunächst mächtig Angst macht.
Will man hin und wieder denn einfach nur der Wirklichkeit entfliehen, weil sie zu verkorkst ist?
Aber es ist nun mal so, dass wir vor ihr nicht fliehen können, weil sie uns immer wieder einholt und penetrant an unsere Türen klopft und Einlass fordert.
Die Wirklichkeit klopft und hämmert so lange bis an unsere Türe, bis wir aufwachen und akzeptieren, dass wir kleine Götter sind, die sich auf die Erde verirrt haben und ihrer Kräfte beraubt wurden, aber dennoch ein paar behalten durften, wie zb die Fähigkeit, jemanden zu lieben oder jemanden zu hassen, obwohl Ersteres viel schöner ist.
Wir haben die Wahlmöglichkeit zu entscheiden, wie wir unser Götterleben verbringen wollen. Aber haben wir wirklich die Wahl?
Was ist mit dem kleinen hungrigen Baby in Äthiopien, das nur die Wahl hat, ob es an Cholera oder an Hungersnot stirbt?
Das nennen wir dann Schicksal, das ja bekanntermaßen selbst produziert wurde, weil wir unsere Türe nie geöffnet haben, als es geklopft hat.
Ich hatte ne interessante Diskussion zwischen einem Sufi und einem Rasta mitverfolgen dürfen, die grasrauchend sich darüber gestritten haben, welche Rolle Gott in diesem Theater spielt.
Der eine meinte, Gott/Göttin ist gut und mächtig und wir sollten nur das Schöne und Gute annehmen und das Üble und Böse verbannen.
Aber funktioniert das wirklich?
Wir können uns allerdings nicht auf die göttliche Führung herausreden und damit unser Ego entschuldigen, wenn wir Mist gebaut haben, weil dann müssen wir das Negative auch einstecken.
Wir tragen die Konsequenzen unseres Tuns, ob mit oder ohne Gott/Göttin.

Wenn ich auf verschlungenen Pfaden durch die verzauberte Winterlandschaften wandere, grüble ich oft darüber nach, wie kraftvoll doch das Leben ist, wenn es im Frühling wieder erwacht, wo es doch so lange unter dieser harten und gefrorenen Schneedecken ausharren musste. Das klingt wie aus einem Schmalzroman, oder?
Nun ja mein Leben ist leider nicht wie ein beschissener Schmalzroman.
Mein Innenleben spielt sich nur im Verborgenen ab. Deshalb bin ich ein sehr vorsichtiger Geselle und nur manchmal lass ich mich von verwirrenden Gefühlen treiben und tauche in eine Märchenwelt, wo der tapfere Ritter die schöne Prinzessin befreit. Aber leider bin ich kein tapferer Ritter und ich es gibt auch keine schöne Prinzessin zu befreien.
Meine Feenkönigin hat mich unlängst den Wölfen zum Fraß vorgeworfen, zumindest bilde ich mir das ein, weil sie sich schon eine Woche nicht mehr meldet, und ich habe das unschöne Gefühl, dass das letzte Kapitel geschrieben wurde.
Eigentlich wusste ich das auch schon vorher, bevor das erste Kapitel geschrieben wurde, weil ich armer Narr mit einem Kassandra Komplex rumlaufe.
Aber dennoch wurde ich mit der Fähigkeit gesegnet, auch in beschissenen Zeiten das Leben optimistisch zu betrachten. Gerade lese ich diesen wunderbaren Schafskrimi (Glennkill), der mir ungeahnte Betrachtungsweisen zuteil werden lässt.

Ich habe leider eine leichte Tendenz dazu, immer die absurdesten Lösungen als erstes in Betracht zu ziehen und verscheuche meistens die logischen wie wild gewordene Fliegen. Wenn etwas einfach ist, dann hegt sich in mir immer der Verdacht, dass da etwas nicht stimmen kann.
Mir kommen die einfachen Dinge des Lebens sehr suspekt vor, so als wären sie irgendwelche Hirngespinste, die ein Verrückter in irgendeinen Kopf gesetzt hat.
Als ich beispielsweise noch ein Teenager war, wollte ich in meine Klasse gehen, aber plötzlich blickten mich lauter erstaunte Gesichter an, die nicht in meine Klasse gehörten und ich dachte mir, dass ich zwar in der richtigen Klasse sei, aber lauter falscher Leute dort rumhängen würden und ich dachte mir insgeheim, dass ich sie jetzt sofort rausscheuchen sollte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Jedoch stellte sich heraus, dass ich mich in der Etage geirrt habe und in meiner morgendlichen Konfusion einfach die Stufen falsch gezählt habe.
Ich habe lange die Spinnen beobachtet, wie geschickt sie ihre Netze spannen. Ich würde so was nie hinkriegen, weil ich gar nicht wüsste, wo man überhaupt anfangen sollte, um solch ein schönes Zauberwerk zu kreieren. In meiner Seele sieht es zur Zeit sehr finster aus, wie auf einem Schlachtfeld, das übersät ist mit zahllosen Opfern.
Ich würde aber gerne ein Netz spannen ... Komm lass uns ein Netz spannen!

 

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