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gesprengte ketten

 
Es gibt doch nichts Schöneres, wenn man ne Freundin hat, mit der man ausschließlich platonisch verbunden ist und Sex selbst in den ruchlosesten und frevelhaftesten Träumen so gut wie gar nicht vorkommt. Selbst, wenn ich sie mal zufälligerweise mit nichts an außer einem entwaffnenden Lächeln antreffen würde, käme es mir nie in den Sinn, sie dem Hick Hack der freien Partnersuch-Marktwirtschaft auszusetzen.
Und natürlich gehe ich mal davon aus, dass sie zu ähnlichen Schlüssen gelangt ist und für mich eher eine zarte Zuneigung empfindet als eine von Hormonen gefärbte Begierde.
Aber nun ist jene heißgeliebte Freundin doch zum Opfer der brutalen Mechanismen von Angebot und Nachfrage auf dem Singlemarkt geworden, weil ihr göttlicher Schatz sie den Wölfen zum Fraß vorgeworfen hat.
Nun, ich kann nicht sagen, dass es mich überrascht hätte, aber dennoch hat mich der Zeitpunkt doch etwas aus der Contenance gebracht und außerdem bin ich ziemlich sauer, weil er ihr so einfach das Herz brechen und so erbarmungslos auf ihren Gefühlen rumtrampeln kann.
Ich bin ja so was zu einem astrologischen Liebesdinger Berater für sie geworden und hab ihn natürlich, als sie ihn kennen lernte, auch mal astromäßig durchgecheckt und hab mal wieder ein paar Zeilen davon hervorgekramt …
„Er begegnet in seinem Inneren oder durch die Projektion in anderen Menschen dem Triebhaften, Dunklen und Verdrängten. Diese Gefühle müssen in konstruktive Tendenzen umgewandelt werden für ihn.“ … Anscheinend hat er das doch nicht ganz so hingekriegt. Vielleicht vergnügt er sich ja schon mit einer anderen?
„Er ist schon ein komplizierter Mensch, weil sein Durchsetzungswille, sein Aggressionspotential unverbruchbar mit seinem Wunsch nach Freiheit und unkonventionellen Ideen zusammenhängt.“ …Na anscheinend ist sein Freiheitsdrang doch etwas zu stark geworden und er hat ne Riesenbindungsphobie entwickelt.
„Aber die beiden scheinen vertauscht zu sein, wo der Mars die Energie zur Durchsetzung herkriegt, steht eigentlich der Uranus (Freiheit, Revolution), der damit nichts anfangen kann, weil seine Energie beim Mars (Wille, Energie) liegt. Du musst den Uranus, der in seinem Horoskop eine bedeutende Rolle spielt, mythologisch verstehen. Der Uranus wurde vom Kronos kastriert. Etwas vom tropfenden Blut des Phallus gelangte aber in den Leib der Gaia und somit entstanden die Furien. Die Unterdrückung des eigenen Uranus (Wunsch nach Freiheit, Unkonventionellem, originellem Denken) kann manchmal Furien (Rache, Wut) freisetzen, und wenn wir lange an diesem Verhaltensmuster festhalten, können uns die Furien bis in den entlegensten Winkel dieser Welt folgen ; ). Das heißt nicht, dass er wirklich sehr aggressiv wäre, aber dass er Angst haben könnte vor seinen Aggressionen.“ … oder vor festen Bindungen *schnief*.
Wie man wohl feststellen muss, ist er mir nicht sonderlich sympathisch, aber jetzt, wo er sie sitzengelassen hat, ist er noch unausstehlicher geworden.
Er ist wie ein Kind, das sich ne Sandburg gebaut hat und nun feststellt, dass sie doch nichts Besonderes ist und sich bald langweilt und sie kaputt machen will …
Man kann dazu nur eins sagen … so ein Arsch!!!

Wir Menschen haben Gefühle und das ist es was zählt. Aber wenn ich sie nun vor anderen verberge und so vorsichtig, wie ein Eichhörnchen von Baum zu Baum hüpfend, damit umgehe, bin ich dann einfach nur eine gut funktionierende, angepasste Maschine?
Wie sehr man es auch versuchen mag,
es ist unmöglich, die Spiegelung des Mondes
auf der Oberfläche eines Teiches zu fassen.
Mein Gott! Ist denn dieser Zen Spruch nicht unfassbar anschaulich für das, was wir mit unseren Gefühlen tun? Gefühle sind denn nun mal trügerisch und wir halten die Spiegelung des Mondes im Teich für realer, als den Mond am Sternenfirmament.
Das erinnert mich manchmal an diese Eidechsen, die ich als kleiner Grashüpfer gerne fing. Sie haben meistens in Löcher gebuddelt und nur ihr Schwanz lugte raus, weil sie dort anscheinend Futter krallen konnten, aber sie verfingen sich in ihren Löchern und man konnte sie dann ganz einfach fangen. Und so verwickeln wir uns auch in unseren Gefühlen und werden gefangen. Die Eidechsen konnten sich aber meistens mit einem einfachen Trick retten … sie warfen ihren Schwanz ab. Aber wir können uns nicht so einfach davonstehlen … oh nein! Der Mond im Wasser symbolisiert unsere tiefen und unbewussten Einstellungen, die unser Leben durchdringen. Genau diese gefühlsorientierten Einstellungen kann man kaum in Worte fassen. Und dennoch können wir für einen kurzen Augenblick die Hände ist Wasser tauchen und den Mond in Händen halten, wenn wir unsere Gefühlseinstellungen in unser Leben bringen. Wie bringt man genug Verspieltheit, Gelassenheit und Humor in unser manchmal so graues einfältiges Alltagsleben? Wenn wir uns den Aspekten unserer Gefühlswelt öffnen …
Try to catch the moon in the middle of the water!

Die meisten von uns haben es nicht auf die Siegerstraße geschafft, tragen keine schimmernden Klunker an den Händen, kutschieren nicht mit Edelkarossen herum, werden nicht von hoffnungslos hübschen Blondinen umschwärmt und werden bei den meisten angesagten Partys schon an der Tür abgewimmelt.
Ist es nicht die ultimative Demütigung angesichts von so viel Schönheit und Reichtum, mit die wir nicht gesegnet sind, sich am liebsten in ein Loch zu verbuddeln und daraus nie wieder rauskommen zu wollen?
Erst unlängst hab ich einen Freund von mir getroffen, der es zu echtem Geld und zu echtem Ruhm geschafft hat und lauter Erfolge verbuchen konnte. Er war mir sogar vor, dass ich nicht aus meinem Leben machen würde, weil ich nur in Mittelmäßigkeit versinke und "alten Schachteln die Wirbelsäule gerade biegen" würde und eine ach so tolle Karriere hinlegen könnte, wohlgemerkt in seiner beschissenen Firma, die ihre Mitarbeiter ausbeutet, dass Marx die Haare zu Berge gestanden wären.
Ich hab mich aber auf dieses Spielchen nicht eingelassen, sondern ihm vorgeschwärmt wie toll es sei, sich abends nicht den Kopf über fallende Aktienkurse, lästige cash flows, mickrige Renditen und abartige Deckungsbeiträge zerbrechen zu müssen, sondern viel lieber von "alten Schachteln" träume, die wieder gehen können, und dabei auch noch gar nicht den Gedanken in meinem Kopf wälzen müssen, dass mich jemand mag, weil ich so toll und erfolgreich rein bin oder gar noch, ob ich meine Seele nicht an den Teufel verkauft habe, weil ich wieder ein paar so genannte Mitarbeiter entlasten musste, weil der maximale Gewinn unter meinen Erwartungen blieb und deshalb mein Yachtplatz für den nächsten Sommer eventuell gefährdet sein könnte.
Außerdem muss ich mein Ego nicht mit kostspieligen Sinnlosigkeiten wie sündhaftteuren Armbanduhren und Designerklamotten in Preisklassen, von denen eine zehnköpfige Einwandererfamilie locker ein halbes Jahr gut leben könnte, auf aufmöbeln.
Es ist einfach toll das zu haben, was viele nur vom Wörterbuch her kennen … nämlich Mitgefühl, Ehre, Respekt, Demut und Einfachheit.

Allein sein und nicht allein sein ...
Ich bin doch hier.
Doch wo bleibst du?
Warum kann ich dich erahnen, aber nicht sehen?
Warum kann ich dich sehen, aber nicht hören?
Warum kann ich dich hören, aber nicht fühlen?
Warum kann ich dich fühlen, aber nicht spüren, greifen, greifbar machen?
Komm näher.
Bloß einen Schritt.
Nur einen einzigen und du wirst vor mir stehen, von Auge zu Auge. Dann nehme ich deine Hand und laufe mit dir fort. Ich were deinen Atem auf meiner Haut spüren, sanft und warm und gleichmäßig, und dir die Kleider vom Leib reißen. Ich werde noch so viel mehr als nur deinen Körper spüren, deine ganze Seele will ich haben. Ich werde weinen, versunken in deinen Armen und dich anschreien, um all deine Gleichgültigkeit zu rächen und ich werde lachen und dir einen Kuss schenken. Ich werde stöhnen, wenn du mich dazu bringst, alles in einer Nacht, vergänglich wie der Sternenfall und doch anhaltend, ewig.
Ich werde....

...nichts tun. Nur Schweigen. Weinen, ja, vielleicht irgendwann einmal wieder.
Und du wirst gewissentlich darauf achten, keinen Schritt zu weit zu gehen, der Sicherheitsabstand muss eingehalten werden, wie bei einem Gebäude, das droht bald in sich einzustürzen. Der Unterschied ist bloß, dass Bauwerke sich nicht wieder von allein aufrichten können.

Wenn etwas schief läuft, dann kann dieses Schieflaufen eine Chance sein, die Geburt von etwas Neuem zu erfahren, auch wenn es uns
zunächst mächtig Angst macht.
Will man hin und wieder denn einfach nur der Wirklichkeit entfliehen, weil sie zu verkorkst ist?
Aber es ist nun mal so, dass wir vor ihr nicht fliehen können, weil sie uns immer wieder einholt und penetrant an unsere Türen klopft und Einlass fordert.
Die Wirklichkeit klopft und hämmert so lange bis an unsere Türe, bis wir aufwachen und akzeptieren, dass wir kleine Götter sind, die sich auf die Erde verirrt haben und ihrer Kräfte beraubt wurden, aber dennoch ein paar behalten durften, wie zb die Fähigkeit, jemanden zu lieben oder jemanden zu hassen, obwohl Ersteres viel schöner ist.
Wir haben die Wahlmöglichkeit zu entscheiden, wie wir unser Götterleben verbringen wollen. Aber haben wir wirklich die Wahl?
Was ist mit dem kleinen hungrigen Baby in Äthiopien, das nur die Wahl hat, ob es an Cholera oder an Hungersnot stirbt?
Das nennen wir dann Schicksal, das ja bekanntermaßen selbst produziert wurde, weil wir unsere Türe nie geöffnet haben, als es geklopft hat.
Ich hatte ne interessante Diskussion zwischen einem Sufi und einem Rasta mitverfolgen dürfen, die grasrauchend sich darüber gestritten haben, welche Rolle Gott in diesem Theater spielt.
Der eine meinte, Gott/Göttin ist gut und mächtig und wir sollten nur das Schöne und Gute annehmen und das Üble und Böse verbannen.
Aber funktioniert das wirklich?
Wir können uns allerdings nicht auf die göttliche Führung herausreden und damit unser Ego entschuldigen, wenn wir Mist gebaut haben, weil dann müssen wir das Negative auch einstecken.
Wir tragen die Konsequenzen unseres Tuns, ob mit oder ohne Gott/Göttin.

 

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