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gesprengte ketten

 
Wenn ich auf verschlungenen Pfaden durch die verzauberte Winterlandschaften wandere, grüble ich oft darüber nach, wie kraftvoll doch das Leben ist, wenn es im Frühling wieder erwacht, wo es doch so lange unter dieser harten und gefrorenen Schneedecken ausharren musste. Das klingt wie aus einem Schmalzroman, oder?
Nun ja mein Leben ist leider nicht wie ein beschissener Schmalzroman.
Mein Innenleben spielt sich nur im Verborgenen ab. Deshalb bin ich ein sehr vorsichtiger Geselle und nur manchmal lass ich mich von verwirrenden Gefühlen treiben und tauche in eine Märchenwelt, wo der tapfere Ritter die schöne Prinzessin befreit. Aber leider bin ich kein tapferer Ritter und ich es gibt auch keine schöne Prinzessin zu befreien.
Meine Feenkönigin hat mich unlängst den Wölfen zum Fraß vorgeworfen, zumindest bilde ich mir das ein, weil sie sich schon eine Woche nicht mehr meldet, und ich habe das unschöne Gefühl, dass das letzte Kapitel geschrieben wurde.
Eigentlich wusste ich das auch schon vorher, bevor das erste Kapitel geschrieben wurde, weil ich armer Narr mit einem Kassandra Komplex rumlaufe.
Aber dennoch wurde ich mit der Fähigkeit gesegnet, auch in beschissenen Zeiten das Leben optimistisch zu betrachten. Gerade lese ich diesen wunderbaren Schafskrimi (Glennkill), der mir ungeahnte Betrachtungsweisen zuteil werden lässt.

Ich habe leider eine leichte Tendenz dazu, immer die absurdesten Lösungen als erstes in Betracht zu ziehen und verscheuche meistens die logischen wie wild gewordene Fliegen. Wenn etwas einfach ist, dann hegt sich in mir immer der Verdacht, dass da etwas nicht stimmen kann.
Mir kommen die einfachen Dinge des Lebens sehr suspekt vor, so als wären sie irgendwelche Hirngespinste, die ein Verrückter in irgendeinen Kopf gesetzt hat.
Als ich beispielsweise noch ein Teenager war, wollte ich in meine Klasse gehen, aber plötzlich blickten mich lauter erstaunte Gesichter an, die nicht in meine Klasse gehörten und ich dachte mir, dass ich zwar in der richtigen Klasse sei, aber lauter falscher Leute dort rumhängen würden und ich dachte mir insgeheim, dass ich sie jetzt sofort rausscheuchen sollte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Jedoch stellte sich heraus, dass ich mich in der Etage geirrt habe und in meiner morgendlichen Konfusion einfach die Stufen falsch gezählt habe.
Ich habe lange die Spinnen beobachtet, wie geschickt sie ihre Netze spannen. Ich würde so was nie hinkriegen, weil ich gar nicht wüsste, wo man überhaupt anfangen sollte, um solch ein schönes Zauberwerk zu kreieren. In meiner Seele sieht es zur Zeit sehr finster aus, wie auf einem Schlachtfeld, das übersät ist mit zahllosen Opfern.
Ich würde aber gerne ein Netz spannen ... Komm lass uns ein Netz spannen!

Irgendwie will bei mir dieses Jahr keine fröhliche Weihnachtsstimmung aufkommen. Vielleicht auch deshalb, weil mich diese Leere und Kälte dieser Kommerzhyänen nervt und ich nicht fröhlich singend unter dem Weihnachtsbaum stehen kann, ohne daran zu denken, dass dies zwar ein idyllischer, aber dennoch sehr flüchtiger Moment ist.
Die Menschen haben verlernt an Wunder zu glauben. Durch Pseudowissenschaftlichkeit und kopfgesteuertes Denken manövrieren wir uns in eine schreckliche Krise.
Wir sollten einfach unsere Augen öffnen, unsere Sinne schärfen und wahrnehmen, dass es so viele Wunder auf diesem kleine Planeten gibt, dass so vieles passiert, dass gar nicht passieren könnte, wenn man es wissenschaftlich sieht.
Wenn eine Rosenknospe zum Leben erwacht, ertönt eine wundervolle Melodie. Ja sogar jeder Grashalm singt ein bezauberndes Lied.
Was glaubst du, wie du klingst wenn du übelgelaunt und selbstgefällig herumläufst? Etwa wie eine Bachsonate?
Als ich durch die Straßen lief zu Tode betrübt, da sah ich ein Mädchen und ich hörte den Chor der Engel singen, denn sie strahlte und leuchtete wie ein heller Stern voller Zärtlichkeit.
Noch ist die Welt nicht verloren, so lange es solche Menschen gibt und so lange es Menschen gibt, die an Wunder glauben, die hinter die trügerische Kulisse der Materie blicken.
Jeder Mensch kann entweder strahlend erklingen oder dumpf dröhnen wie eine hämmernde eiserne Maschine, die monoton ihre Plage über sich ergehen lässt.
Das Lied des strahlenden Lebens kann nur der hören, der still ist und in sich hineinhorcht, der nicht mehr kämpft und schimpft, sondern seinen Frieden gefunden hat.
Einen Frieden, der tief im dunklen Inneren wohnt, der selbstlos ist und nicht klein kariert und anmaßend.
Noch ist die Welt nicht verloren!
Alles Liebe zu Weihnachten für dich!

Als ich heute früh aus den Federn gerüttelt wurde vom penetranten Klingen meines Telefons, dachte ich, es sei jemand, der etwas von mir wolle. Und ja es war jemand, der etwas von mir wollte. Es war mal wieder eine dieser Telefontanten, die dir Löcher in den Bauch fragen über Dinge, die dich ebenso sehr interessieren, wie einen Frischverliebten das rasante Wachstum der Staatsverschuldung. Sie wollte wissen, wie zufrieden ich mit der Post sei und wie viele Briefe ich verschicke und sonst noch alles Mögliche.
Als sie mich fragte, wie gut mein Briefträger auf einer Skala von eins bis fünf aussehe, bin ich fast vom Sessel gekippt vor schallendem Lachen. Nun ja er ist kein Topmodell, aber ich habe ihm trotzdem eine eins gegeben, weil er mir immer die netten Briefchen bringt, wo drinnen steht, dass ich meinen Schuldenberg auf eine vierstellige Zahl reduzieren sollte.
Aber wie immer schmeiße ich diese freundlichen Briefchen entweder in den Müll oder ich verwende sie zum Anheizen für ein lauschiges Feuerchen.
Nicht besonders intelligent, ich weiß. Aber bisher hat es immer gut geklappt, da ich ein notorischer Problemwegschieber bin und mir gerne selbst die rosa Brille verpasse.
Außerdem sind das alles nur irgendwelche Strafverfügungen, die nie und nimma zu zahlen gedenke. Ich habe niemandem was zu leide getan und außer der Strafe, wo ich gegen die Mülltonne gepinkelt habe, war ich immer sehr anständig. Stattdessen sollte man es so wie im antiken Ägypten machen und all meine guten Taten gegen diese paar Lächerlichkeiten abwägen, und ich wäre mir sicher, dass meine guten Taten überwiegen würden. Schließlich habe ich schon mehreren Geschöpfen dieser Erde das Leben gerettet, einmal habe ich sogar einem Habicht bei mir Asyl gewährt und ihn gesund gepflegt. Okay, ich war es, der ihn mit dem Auto angefahren hat, aber er hat seine Nase einfach zu tief unten gehalten für so einen großen Vogel, und sie dann einfach nicht mehr hochbekommen und ihn mein Auto gesetzt.
Ich habe ihn dann aber Wochen gehegt und gepflegt und sogar seine Klauen abbekommen, aber mich nie beklagt. Als er mich verließ, dreht er noch eine Runde zum Zeichen seines Dankes und ich wünschte ihm eine geflügelte Reise auf glücklichen Schwingen.

Die Sehnsucht nach kafkaesken Verwandlungen hält mich wieder im eisernen Griff fest. Ich kann mich nun mal wieder nicht entscheiden, wer ich bin und wandle mich lieber jeden in ein anderes Geschöpf, bevor ich mich dazu entschließen kann, irgendwer zu sein.
Heute beispielsweise bin ich zum Hanflollifanatiker mutiert. In diesem Ethnoshop gab es davon nur mehr zehn Exemplare und ich hab sie alle gekauft und gleich vier davon sind in meinem Mund verschwunden. Gestern hab ich mir wieder „Velvet Goldmine“ angeschaut. Und beschlossen, dass ich meine Visage schminken muss. Nun ja leider wurde daraus eher eine Art Kriegsbemalung, aber bei meinem Teint ist das absolut kontraproduktiv.
Der Typ vom Ethnoshop hat mir einen „Komposthaufenstarter“ empfohlen ... das sind so trüffelähnliche Dinger, die man verdrücken muss und danach sollte es ein tüchtiges Gehirngewitter geben mit einer kleinen Nuance von sexueller Ekstase. Nun ja sexuelle Ekstase kann ich momentan ebenso wenig brauchen wie ein Loch im Kopf, deshalb hab ich mir für diverse Holzrosendinger gekauft.
Ich muss noch anmerken, dass meine Geschichte von einer Katze und einem Mädchen auf Kuschelkatzen.de veröffentlicht wird oder schon wurde.
Ich habe diese Geschichte mal auf e-stories.de veröffentlicht und geglaubt, dass sie ohnehin niemand lesen wird, aber anscheinend hab ich mich da geirrt.

 

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